Kontext: (Ober-)Bürgermeister Georg Fey (1945-1948)

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Bürgermeister Georg Fey (1945-1948)

Georg Fey, Foto aus dem Meldebogen zur polizeilichen Registrierung, August 1946
Georg Fey, Foto aus dem Meldebogen zur polizeilichen Registrierung, August 1946

Georg Fey wurde am 28. Dezember 1882 als 13. Kind der Schreinermeisterseheleute Georg und Rosalie Fey geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und gewerblicher Fachschulen unterzog er sich einer Berufsausbildung als Tapezier und Dekorateur und übernahm 1905 den elterlichen Tapeziermeisterbetrieb, den er später zum Möbelgeschäft erweiterte.

Seine politische Laufbahn begann mit der Wahl zum Gemeindebevollmächtigten 1914. Dem Stadtrat gehörte er bis 1930 an; von 1926 bis 1929 war er 2. Bürgermeister der Stadt. Zwischen 1930 und 1945 hatte Fey keine öffentlichen Ämter inne. Am 14. Mai 1945 bestellte ihn die US-Besatzungsregierung zum kommissarischen 1. Bürgermeister. Mit seiner Wahl durch den Stadtrat am 27. Januar 1946 wurde er in diesem Amt bestätigt und im darauffolgenden Sommer Mitglied der Bayerischen Verfassunggebenden Landesversammlung. Nach der Wahl von Lorenz Riedmiller (SPD) am 1. Juli 1948 zum hauptamtlichen Oberbürgermeister war Georg Fey (CSU) weiterhin Mitglied des Stadtrates, 2. Bürgermeister und Referent für Bau- und Grundstückswesen sowie wirtschaftliche Angelegenheiten. Nach einer erfolglosen Kandidatur im OB-Wahlkampf am 30. März 1952 zog er sich im Alter von fast 70 Jahren aus der Kommunalpolitik zurück.

Georg Fey gilt als "Schöpfer der Grimmelschanze" und "Initiator bei der Erschließung des Kreuzherrnsaals" (1947). Der 1924 gegründete Katholikenverband fand in ihm stets einen aktiven, allgemein geachteten Mitgestalter. 1957 verlieh ihm der Memminger Stadtrat in Anerkennung seiner großen Verdienste das Ehrenbürgerrecht. Am 2. Oktober 1959 ist Georg Fey im Alter von 77 Jahren verstorben. 

Größter Meilenstein in der Amtszeit von (Ober-)Bürgermeister Georg Fey war die Wiedererlangung der "Kreisunmittelbarkeit der Stadt Memmingen" (heute Kreisfreiheit). Nachdem Anträge mehrerer Städte monatelang unbearbeitet geblieben waren, beschloss der Bayerische Landtag am 23. Oktober 1947 auf Antrag des Memminger Stimmkreis-Abgeordneten und SZ-Verlegers August Schwingenstein, dass "die durch die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 verlorene Kreisunmittelbarkeit verschiedener bayerischer Städte wieder hergestellt und damit der erlittene empfindliche Prestigeverlust wieder gutgemacht wird".

Empfang für Ministerpräsident Dr. Hans Ehard anlässlich seines "Staatsbesuches" in Memmingen, 26. Oktober 1947
Empfang für Ministerpräsident Dr. Hans Ehard anlässlich seines "Staatsbesuches" in Memmingen, 26. Oktober 1947
Rede von Bürgermeister Georg Fey (englische Fassung), 26. Oktober 1947
Rede von Bürgermeister Georg Fey (englische Fassung), 26. Oktober 1947

Wenige Tage später, am 25. und 26. Oktober 1947, weilte Bayerns Ministerpräsident Dr. Hans Ehard zu einem "Staatsbesuch" in Memmingen. Bürgermeister Georg Fey erinnerte in seiner Ansprache an die jahrhundertealte Geschichte der Reichsstadt und gab seiner Hoffnung Ausdruck, "daß die bayerische Staatsregierung und der Landtag im Zuge der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts binnen kürzester Frist uns wieder die frühere Kreisunmittelbarkeit verleihen wird."

In seiner schriftlichen Dankadresse begrüßte es Ehard "auf das wärmste, daß jetzt Ihre aufopfernde Tätigkeit zugunsten Ihrer Gemeinde die Krönung durch die Wiederverleihung der Kreisunmittelbarkeit, die Memmingen seiner ehrwürdigen Geschichte und seiner wirtschaftlichen Bedeutung nach mit Recht zukommt, finden wird."

Glückwunsch-Telegramm des Memminger Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag August Schwingenstein, März 1948
Glückwunsch-Telegramm des Memminger Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag August Schwingenstein, März 1948

Es sollten noch weitere zähe Verhandlungen notwendig werden, ehe Bürgermeister Georg Fey am 19. März 1948 in einer außerordentlichen Sitzung des Stadtrates bekanntgeben konnte, dass die Bayerische Staatsregierung der Stadt Memmingen und weiteren 14 bayerischen Städten mit Wirkung zum 1. April die "Kreisunmittelbarkeit" verleihen werde: "In der Staatsform einer lebendigen Demokratie möge drum unsere unmittelbare Stadt Memmingen mit ihrer verpflichtenden reichen Vergangenheit und mit ihren Zielen des Wiederaufbaues, des Wirtschaftsantriebes und der gediegenen Kulturentwicklung wachsen, blühen und gedeihen" - so Bürgermeister Georg Fey in seiner feierlichen Ansprache.

Exponate
  • Passbild von Georg Fey, aufgeklebt auf dem "Meldeblatt für die polizeiliche Registrierung und die Ausstellung einer deutschen Kennkarte", 27. August 1946 (vergrößerte Reproduktion)
  • Rede von Bürgermeister Georg Fey "in connexion with the state visit" von Ministerpräsident Hans Ehard am 26. Oktober 1947 in Memmingen (Reproduktion der englischen Fassung für die US-Militärregierung, deutsche Fassung veröffentlicht in: Memmingen wird bayerisch. Die Mediatisierung der Reichsstädte in Ostschwaben, Heft 9 der Materialien zur Memminger Stadtgeschichte, hrsg. vom Stadtarchiv Memmingen, 2003, S. 29-31)
  • Fotografien zum Empfang für Ministerpräsident Dr. Hans Ehard im Sitzungssaal des Rathauses, 26. Oktober 1947
    a) Bürgermeister Georg Fey am Rednerpult
    b) Ministerpräsident Dr. Ehard und Major Mattews, Office of Military Government
    c) Georg Fey und Dr. Hans Ehard
  • Telegramm des SZ-Verlegers und Memminger Stimmkreisabgeordneten im Bayerischen Landtag August Schwingenstein, März 1948,
    Text: "BUERGERMEISTER FEY MEMMINGEN/ ALLGAEU. ICH BEGLUECKWUENSCHE DIE STADT MEMMINGEN ZUR WIEDER-ERLANGUNG DER EIGENSCHAFT EINER KREISUNMITTELBAREN STADT UND WUENSCHE IHR IN AUSUEBUNG IHRER ALTEN RECHTE EIN WEITERES AUFBLUEHEN ZUM SEGEN UNSERER LIEBEN HEIMAT. SCHWINGENSTEIN"
  • Protokoll der außerordentlichen Stadtratssitzung zur Wiederverleihung der Kreisunmittelbarkeit an die Stadt Memmingen, 19. März 1948
  • Ordner mit Rechnungsbelegen aus der Amtszeit Georg Feys als Bürgermeister von Memmingen