Kontext: Inkunabeln und frühe Drucke (15. Jh.)

Stadtarchiv Memmingen

Ulmer Straße 19
87700 Memmingen

Tel.: 08331/850-143
Fax: 08331/850-149

stadtarchiv@
memmingen.de

Öffnungszeiten

Der Lesesaal ist von Dienstag bis Donnerstag jeweils von 14 bis 17 Uhr oder nach vorheriger Vereinbarung geöffnet.

Bürosprechzeiten

Montags bis Freitags
8.00 - 12.00 Uhr

Seiteninhalt:

Inkunabeln und frühe Drucke in der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek

In den Beständen der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek Memmingen befinden sich mehr als 500 Inkunabeln (Werke des frühen Buchdrucks vor 1500, sog. Wiegendrucke). Ihre Herkunft ist - wie an zahlreichen Besitzvermerken, Einträgen sowie älteren Signaturschildern ablesbar - sehr heterogen und noch weitgehend unerforscht. Einige Bücher stammen aus den Büchersammlungen des Antoniter-Präzeptors Petrus Mitte de Caprariis oder anderer Geistlicher oder Humanisten, wie zum Beispiel Christoph Schappeler, des späteren Reformators der Reichsstadt Memmingen bis zum Bauernaufstand 1525. Auch aus der Bibliothek der Memminger Augustinereremiten sind Inkunabeln in den Besitz der Memminger Stadtbibliothek übergegangen. Mangels eines älteren bzw. frühneuzeitlichen Zugangsbuches lässt sich allerdings nur schwer nachvollziehen, wann und welche Zugänge während der Reformationszeit, während der Verwaltung der Bibliothek durch die beiden Pfarrer Johann Georg Schelhorn d.Ä. / d.J. im 18. Jahrhundert oder nach der Säkularisation der Memminger Klöster bzw. Mediatisierung der Reichsstadt zu verzeichnen waren. Die Kataloge Jakob Friedrich Rupprechts (1819/20 bzw. 1835) enthalten dazu ebenso wenig Informationen wie die Kataloge aus der Feder Friedrich Dobels (1867/68), auf denen die Bibliotheksordnung noch heute basiert.

A Concordance for the Incunable Collection held in Memmingen Stadtarchiv (Historical City Library), linking shelf mark to ISTC

This concordance is a work in progress - there are still a few shelfmarks to locate and editions to find. However it does provide some information about the collection of over 600 incunables held in the Memmingen Stadtarchiv (Historical City Library), with links from their 1867/68 manuscript catalogue to the current Incunable Short Title Catalogue (ISTC).

Getting this far would not have been possible without the groundwork of previous librarians/bibliographers. The earliest record is in a catalogue of 1643, which gives brief information about the incunable editions. Shelfmarks were in roman and arabic numbers, eg. XVlll. Vl.28. The next library catalogue by Friedrich Dobel was made in 1867/68, and includes title, date and place of printing and printer (if known). The incunables were each given a new shelfmark starting with “3,- -“,  with the incunables in the Seyfriedische Stiftung being listed in the concordance separately, with a S as part of the shelfmark. Ernst Frey allocated the incunable collection with their Hain numbers. In 2007/08 Isabel Biel started a basic catalogue, with Hain and GW, as well as ISTC numbers, but the job was not completed.

This is not a catalogue - that still awaits. But it is a bridge to help locate the editions from their ISTC number. This is not complete and there are still (at least) 5 editions that have not been located so far. However during this exercise a number of new incunable editions were found in the collection - they were not ‘lost’ but had been overlooked as they were bound with other editions, and had not been recognised.

There is still more to be done and probably a number of corrections to be made. All additions, corrections, etc welcome. 

Dr Claire Bolton, 2017

Konkordanz (sortiert nach ISTC)
Konkordanz (sortiert nach Bibliothekssignatur)

Zehn Beispiele aus der Inkunabelsammlung

 

Thomas von Aquin: Summa theologiae
Druck: Peter Schoeffer, Mainz 1471

Sign.: 2° 3.354 [ISTC it00203000]

 

Der Dominikaner Thomas von Aquin (1225- 1274) war einer der bedeutendsten Theologen und Philosophen des Mittelalters und einer der Hauptvertreter der Scholastik. Die römisch-katholische Kirche zählt ihn zu ihren Kirchenlehrern. Der Druck eines seiner Hauptwerke, der Summa theologica, enthält ein theologisches System über Glauben und Wissen seiner Zeit. Das Memminger Exemplar befand sich einst in der Bibliothek des Antoniterpräzeptors Petrus Mitte de Capariis. Bemerkenswert sind neben der Initiale Zeichnungen eines Mannes (Klerikers?) und eines Tieres auf dem hinteren Vorsatzblatt.

 



Alexander Tartagnus: Consiliorum volumen

Druck: Jacobus Rubeus, Venedig 23. Dez. 1477

Sign.: 2° 3.365 [ISTC it00021000]

Antonius de Butrio: Consilia
Druck: Adam Rot, Rome 1472

Sign. 2° 3.365 [ISTC ib01340400]

 

Das Werk "Consiliorum Volumen" des italienischen Juraprofessors Alexander Tartagnus (1423/24-1477) besticht durch eine besonders kunstvoll gestaltete Initiale zu Beginn des Buches. Im gleichen Band eingebunden ist ein gedruckter Kommentar des italienischen Rechtsgelehrten Antonius de Butrio (1338-1408) zu den Dekretalien Papst Gregors IX.

 

 

 

Biblia [Deutsch]

Druck: Sensenschmidt & Frisner, Nürnberg 1476/78

Sign. 2° 3.337 [ib00628000]

 

Die bei Johann Sensenschmidt und Andreas Frisner in Nürnberg gedruckte Biblia gilt als die fünfte deutschsprachige Bibelausgabe vor derjenigen Martin Luthers. Das Signaturschildchen am Buchrücken weist den Band als Exemplar aus der Bibliothek der Augustinereremiten aus.

 

 

 

Panormitanus de Tudeschis: Lectura super V libris Decretalium (3 vols)

Druck: Michael Wenssler, Berthold Ruppel & Bernhard Richel, Basel 1477

Sign.: 2° 3.362 [ISTC ip00045000]

 

Panormitanus oder Nicolaus de Tudeschis (1386-1445) war Abt eines Benediktinierklosters bei Messina, Verfasser von Kirchenrechtskommentaren, Erzbischof von Palermo und Vertreter des Konziliarismus auf dem Konzil von Basel. Die Dekretalen-Ausgabe in der Wiss. Stadtbibliothek (aus der Bibliothek des Antoniterpräzeptors Petrus Mitte de Caprariis) zeigt auf der ersten Seite des Werkes eine kolorierte Darstellung des Kirchenlehrers und Papstes Gregors IX, der 1234 die Dekretalen als Sammlung des damals gültigen kanonischen Rechts erließ.

 

 

Reformation der Stadt Nürnberg

Druck: Anton Koberger, Nürnberg 1484

Sign.: 2° 3.258 [ISTC ir00037000]

 

Die „Reformation der Stadt Nürnberg“ ist sichtbares Ergebnis der Nürnberger Stadtrechtsreform von 1479 mit modernisierten und teilweise am Römischen Recht ausgerichteten Bestimmungen zum Verfahrens- und Privatrecht in der Reichsstadt Nürnberg. Das Werk wurde in ganz Deutschland rezipiert und mehrfach (darunter auch in Augsburg) nachgedruckt.

 

 

 

Gesta Romanorum

Druck: Heinrich Quentell, Köln ca. 1485

Sign.: 2° 3.168 [ISTC ig00288000]

 

Die spätmittelalterliche und sehr verbreitete Sammlung erzählt von den „Taten der Römer“. Das Memminger Exemplar enthält ausführliche handschriftliche Bemerkungen eines anonymen Autoren auf den Vorsatzblättern.

 

 

 

Jacobus de Voragine: Legenda aurea

Druck: Johann Schönsperger, Augsburg 1489

Sign.: 2° 3.183 (ISTC ij00164000]

 

Die vom Dominikaner Jacobus de Voragine wohl um 1264 erstellte Sammlung von Heiligenlegenden war eines der bekanntesten Bücher des Mittelalters. Die Holzschnitte des Inkunabels in der Wiss. Stadtbibliothek Memmingen sind durchwegs koloriert.

 

 

 

Petrus Lombardus: Sententiarum libri IV ...
Druck: Kilianus Piscator, Freiburg nicht vor dem 2. Mai 1493
2° 3.331 a/b [ISTC ip00487000]

Besitzvermerke in beiden Bänden weisen sie als Eigentum des späteren Memminger Rerformatos Christoph Schappelers aus, aus dessen Händen sie wohl nach dessen Flucht aus Memmingen 1525 in den Besitz der Stadtbibliothek gelangt sind. Darin: Sechsblatt-Blüte zweifach.

 

 

Petrus Lombardus: Sententiarum libri IV ...
Druck: Nicolaus Kesler, Basel 1498
Sign.: 2° 3.293 [ISTC ip00496000]

Die Memminger Ausgabe der Sententiarum des scholastischen Theologen Petrus Lombardus (um 1095/1100-1160) enthält zahlreiche Notizen, Randbemerkungen und Kommentare des späteren Memminger Reformators Christoph Schappeler, der seit 1513 Geistlicher der Vöhlinschen Prädikaturstiftung in St. Martin in Memmingen war. Während des Bauernaufstandes 1525 floh er aus Memmingen und kehrte er in seine Geburtsstadt St. Gallen zurück.



Scrutinium divinae scripturae

Druck: ?

Sign.: 2° 3.13 (ISTC ---]

 

Der noch nicht katalogisierte Band enthält zahlreiche Besitzvermerke auf dem vorderen und hinteren Vorsatzblatt, darunter den eines Kaplans bei St. Martin in Memmingen.

 

 

 

Drucke aus der Memminger Offizin des Albrecht Kunne aus Duderstadt

Die Inkunabelsammlung der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek enthält eine beträchtliche Zahl von Druck Albrecht Kunnes. Der gebürtige Duderstädter brachte vierzig Jahre nach der Erfindung der Schwarzen Kunst durch Johannes Gutenberg in Mainz die Technik des Buchdrucks in die Reichsstadt Memmingen - noch ehe man in München, Hamburg, Stuttgart, Wien und Berlin Bücher druckte