Kontext: Comedio von der Fridensfreude

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Comedio von der Fridensfreude der Christlichen Jugend in der latheinischen Schul zu Memmingen 1648

Wie dieselbe von ihnen in einem offentlichen Krieg- und Friedenspiel, meistentheils ohne Rede mit deutlichen Geberden und mit lieblichen Gesang auff das Frieden- und Freudenfest in dem Jahr Christi 1649 ist fürgestellt worden, auch zum Gedächtnis beschrieben von Magister Johannes Erhardt, evangelischen Predigern daselbst.

In dem Buch Josua Cap. 4 V. 5 Gehet hierüber für die Lade des Herrn euers Gottes mitten in den Jordan und hebe ein jeglicher einen Stein auff seine Achseln nach der Zahl der Stämme der Kinder Israel, daß sie ein Zeichen seyn unter euch. Wann euer Kinder hernachmals ihre Väter fragen werden und sprechen: Was thun diese Steine da? daß ihr dann ihnen saget: wie das Wasser des Jordan abgerissen sey für der Lade des Bundes des Herren, da sie durch den Jordan giengen, daß diese Steine den Kindern Israel eine ewige Gedächtnuß seyen. [...]

1. Aufzug: Michael. Gleichwie unser Engel im Himmel Gott loben, also hat er der barmherzige und gnädige Herr bey unserer Schul-Jugend alhie ihm ein Lob zugericht, welches wir in dieser Friedensfreude nach kindlichen Vermögen wollen ausbreiten.

2. Aufzug: Christus erscheint in dem Himmel. Das Heer der heyligen Engel lobet ihn mit dem Lobgesang aus dem Propheten Esaia Cap. 6 V. 3 Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, all Land sind seiner Ehren voll.

3. Aufzug: Der Friede wird eingeführt, wie ihn Gott gegeben hat, daß die Menschen bey der Freyheit und Glückseeligkeit des Friedens im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung und in aller christlichen Tugenden sich üben und ihrem Amt und Beruf getreulich sollen alwarten.

4. Aufzug: Der Friede wir auf einem Wagen geführt, von den Friedensengeln wie auch von der Freyheit und von der Glückseeligkeit begleitet.

5. Aufzug: Der Glaub, die Liebe und Hoffnung setzen sich an einen Tisch, auf welchen ein Taufbecken, ein Buch, ein Kelch und Paten stehen.

6. Aufzug: Die Gerechtigkeit, die Fürsichtigkeit und die Beständigkeit setzen sich an eine andere Tafel, welche mit einer Krone, Scepter und Schwerdt gezieret ist.

7. Aufzug: Theologus, ein gottesgelehrter Prediger, Timotheus und Theophiluß, gottseelige Liebhaber des göttlichen Worts, Christina und Agatha, christ-liche Weibspersonen, Jairuß, ein be-rühmter Schullehrer, Philimaches, Polymatus, Pius und Polymachuß, fleissige Schulknaben, halten sich zu dem Glauben, zu der Liebe und Hoff-nung und lesen fleissig in ihren Büchern.

8. Aufzug: Civilis, Cubulus, Callimachus, kluge tapfere Herren und Räthe, stellen sich zu der Gerechtigkeit, Fürsichtigkeit und Beständigkeit.

9. Aufzug: Pantapoles und Fortunatus, redliche Kaufleuth, mit ihren Wahren, Industriuß´, Gregoriuß, Philerguß (?), Willibalduß, Bonifaciuß und Servatiuß, ehrliche Handwerksleuthe, Tityruß und Monachuß, arbeitsame Bauren geniessen des Friedens, treiben ihr Gewerbe und ihreArbeit.

10. Aufzug: Esther und Maria, adeliche Frauen, Margaretha und Lydia, Kaufmannsfrauen, Amarus, Maria, Handwerksfrauen, Amarillus und Galatea, Baurenweiber versorgen ihr Haußhaltung.

Die Glückseligkeit ruft mit heller Stimme: O Herr hilf! O Herr laß wohlgelingen! Alle Personen auf dem Platz wiederholen diesen Wunsch.”

(Original in der Wiss. Stadtbibliothek Memmingen, buchstabengetreue Übertragung durch Christoph Engelhard, Mai 2004)