Kontext: Tagebuch eines Söldners

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Aus dem Tagebuch des Söldners Peter Hagendorf zur Belagerung und Besetzung Memmingens durch bayerische Regimenter 1647/48

„Den 27 Sebtember ankommen zu Menningen dessen 1647 Jars unser Legher geschlagen bei das Kloster, Bugkshem, alsobaldt mit Schannszen undt Lauffgreben zugearbeitet, undt 2 Patreigen dafur gelecht. Auff die grosse Patriege hat mein Oberster Winterscheiedt, als Generalwachtmeister commandieret, darauff sindt gestanden 2 dreii firtel halbe Kartaunen, 4 halbe Kartaunen 2 Schlangen, auff der kleine Patriege, hat commandirt der Oberste Rugir, sindt eben soviel Stug daselbsten gestanden, auff der ander Seiten aufff den Bergk, sindt auch 2 halbe Kartaunen gestanden. Damit haben sie nichts ander geschossen als glugende Kugeln mehr, haben wir 4 Feuwermörssel gehabet, vndt geschossen Tag, undt Nacht.

den 5 October sindt sie ausgefallen, uns von die Patrigen weggeschlagen undt 5 Stugk vernagelt. Uber das haben sie noch edtliche Ausfelle getahn. Aber wir haben sie balt wieder hinein gejaget. Uber das haben wir uns besser versehen, undt die Mauren, undt ihre Patreigen verwustet mit Stugken und Minniren, das sie sich haben mus ergehben. Wir haben auch edtliche Sturm an die Schanssz gethan. Als an die Krugstohr, undt Westertohr, aber nichtes gerichtet als viel volgs verlohren.

den 23 November dessen 1647 Jars haben sie agkordieret, den 25 November abgezogen. Darin sindt gelehgen 300 undt 50 Man. Der Oberste Presenenske hat alhir commandiert. mit Sag undt Pagk sindt sie abgezogen, ist convogirt worden bis nach Erffort. Alhir ist unser Oberster Genneral Winterscheindt Generaloberster Wachtmeister, sambt seinen Regemedt in die Stadt gelecht worden, undt haben Quartier hirin gehabt.

Den 27 November habe ich mein Quartir bezogen. Mein Wirdt ist gewessen am Kalgstohr, Daviedt Herman, Begk.

Den 5 Januarii dessen 1648 Jars umb 3 Uhr nachmitag ist geboren worden mein Tochter Anna Maria ihr Todten sindt diese: als der Regemedtproff Christoff Issel, Melchert Bordt, Feltscher, Benengel Hessin, des Haubtman sein Frauw, Godt verleihe ihr langes Lehben. Amen.

Diese Stadt licht an einen lustiegen Ordt, eine halbe Stundt davon tudt das Wasser springen undt treibt in der Stadt die Mulen, den in die Stadt sein 2 schöne Mulen, undt man das Wasser der Stat nicht nehmen. Ist ein schön fruchtbar Landt von Kornbauw, licht in Schwaben, hatt schöne Forellen in diesen Wasser, hat 2 schöne Kirchen, S Martin, undt unser Frauwenkirche, auch ein schön Spittal, auch ein Augustinderkloster. Aber die Stadt ist alles ludtris, ausgenomen das Kloster. Den Fruling hat Windterscheit wieder anfangen zu bauwen was zu schossen ist gewesen, als die Tohr undt Mauren.

Dessen 1648 Jars den 16 November ist das Freudenfest wegen des Friedes gehalten worden von den Burgern, als wan es Ostern oder Pfinsten gewessen were. In beiden Kirchen 3 Predigt gehalten worden, der Tegs ist gewesen aus dem 1 Buch Moses, aus dem 8. Cabp, wie Noa nach der Sindtflut aus den Kasten ist gegangen undt dem Herren einen Altar gebauwet undt von allen reinen Vieh, Brandtoffer geoffert.

Den 7 Meige dessen 1649 Jars bin ich auff Meninge auff Mindelhem, auff Lansbergk, auff Munchen, auff Wasserburgk, undt ... Den 17 Meige bin ich wieder nach Memingen kommen, den 26 Meige zum ersten mal in die Schule geschiegt mus geben die Woche 2 Kreutz ist aldt gewessen etc. 5 Jare 9 Monat, da ich ihm aus egiebten geholt habe. Zu memingen ist dieses Jar sehr teur gewesen ein Malder korn galdt 18 fl. auch 20 fl., den 28 Iunius habe ich einen Essel gekauff (undt) von Jakob Schmug umb 9 fl. 13 kr.

Den 4 Julius sindt alhir 4 geistlichen convermiret worden bei S Martin. Den 7 Augusti bin ich durch einen Boden gefallen, habe einen grossen schaden bekommen in Kobpff. Den 27. Augstui bin ich auff die Wacht von das Thor gefallen, habe das Kniehe ausgefallen, habe grossen Schwertzen geliedten, wieder einzurichten.

Den 25 Sebtember dessen 1649 Jars ist unser Regemendt zu Memingen in Schwaben abgedangket worden. Ich fur meine Perschon bekam 3 Monat soldt, des Monats 13 fl.“

(zitiert nach: Jan Peters (Hrsg.): Ein Söldnerleben im Dreißigjährigen Krieg. Eine Quelle zur Sozialgeschichte, Berlin 1993)