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Stadt Memmingen:Antwort des reichsstädtischen Rates (Handschrift)

Antwort des reichsstädtischen Rates

Die im Entwurf und als Ausfertigung erhaltene Antwort belegt die Haltung der Reichsstadt Memmingen als einer gesprächsbereiten Herrschaft vor und während des Bauernaufstandes. Nicht ohne Grund wurde Memmingen im Februar/März zum Entstehungsort der Zwölf Artikel und zum Versammlungsort der oberschwäbischen Bauernschaft.

Originale und Editionen

  • Handschrift eines ersten Entwurfs mit zahreichen Einschüben und Ergänzungen (Handschrift im Stadtarchiv Memmingen, Bestand A Reichsstadt A 341/6)
  • Handschrift eines zweiten, weitgehend fertiggestellten Entwurfs (Handschrift im Stadtarchiv Memmingen, Bestand A Reichsstadt A 341/6)
  • Handschrift der Ausfertigung (siehe Abbildung rechts)
  • Buchstabengetreue Übertragung (auf der Basis der Edition von Franz Ludwig Baumann: Akten zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs aus Oberschwaben, Freiburg/Breisgau 1877, S. 120-125, vgl. auch: Günther Franz (Hg.): Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit. Freiherr- vom Stein-Gedächtnisausgabe 2), Darmstadt 1963)

Übertragung

Hernach folgt ains ersamen rats zu Memmingen antwurt auf seiner vnderthonen, der pawrn, artickel irer beschwerungen. [März 15]

Auf den ersten artickel will ain rat seinen vnderthonen auf den pfarren, die im zugehörn, cristenlich selsorger, wo sie daran mangel hetten, so erst er die bekomen mag, schaffen vnd verhelfen, so sie auch daran benugig sein wöllen. Aber mit Worringen vnd andern pfarren, die aim rat nit zu verleichen zusteen, will ain rat von wegen seiner vnderthonen mit denselben pfarrern, wa bey inen mangel ist, geren ernstlich reden, nachmals wa siech ain pfarrer nut daran keren wöllt, dem lechenherren darvmb zuschreiben, seinen vnderthonen ainen andern pfarrer zuo geben oder seinen vnderthonen zu vergonnen, selbs ainen zu erwelen etc.

Auf den andern artickel, den zechenden betreffend, sieht meine herren fur gut an, das die pawrschaft vnd vnderthonen also mit dem artickel, den zechenden belangend, still standen, so lang biß die gemainen pawrschaft allenthalben bey gemainen stenden des bunds vertragen werden. Waß dann die pawrschaft bey den andern iren herren erlangen, wöllen sie iren vnderthonen dasselb auch vnuerzigen nach geben.

Auf den dritten artickel, die leibaigenschaft betreffent, wiewol meine herren dieselben also vmb ain mercklich somma gelts erkauft aben, vnd die leibaigenschaft ainen cristenman an der sel seligkait nitt hindert, noch dann, damit die vnderthonen ains rats genaigten willen sechen vnd erkennen mugen, so wöllend sie ire vnderthonen sollicher leibaigenschaft, so fil der aim rat zugehörig vnd verwandt sein, erlaßen vnd ledig zelen, doch das sie meinen herren järlich dargegen ain zimlich schirmgelt geben vnd sonst kainen andern schirm, dieweil sie in ains rats zwing vnd penn sein, annemen vnd kainen, der nitt frey sey , zu inen ziechen laßen, daßgleichen das seine vnderthanen, mans- vnd frawenpersonen, zu kainem aigen, sonder freyen leuten siech verheyraten vnd sonst ainem rat als ir oberkait in allen zimlichen dingen, als steurn, raisen vnd dergleichen, botten vnd verbotten gehorsam seyen, vnd so ainer, des er schuldig ist, zalt, mag er dann vnuerhindert ains rats ziechen, wa er will.

Zum vierten wöllen meine herren gern zugeben, das ire vnderthonen, soferr ains rats forst vnd oberkait geet, vnd nitt weiter, das gewild vnd gefugel zur notturft, vnd insonder wa sie das in vnd auf dem iren betretten, wol vahen vnd schießen sollen vnd mugen, aber darzu den rechten waidwerckzeug vnd strick nitt geprauchen, sonder dasselbig der herrschaft allain zusteen vnd geburn, vnd wann die vnderthonen also dem gewild nachgeen vnd das schießen oder vahen wöllen, so sollen sie fur siech sechen, darmit sie niemands dardurch an, in vnd vff dem seinen kain schaden zufiegen. Der freyen waßer halber ist ains rats will, das furohin in ainem fließenden oder stillstenden waßer, das erkauft ist, niemands vischen soll. Wellichs waßer aber formals frey vnd gemain gewest seyen, sollen noch frey sein, vnd jedermann mit dem beren, aber sonst kainem andern gezeug, auch nitt mer visch auf ain mal, dann ainer in seinem hauß selbst eßen vnd prauchen mag vnd die vberigen nitt verschencken, noch verkaufen, zu fischen vnd zu fachen erlaubet sein, damit die waßer vnd gumpen nitt erschöpft oder geschwellt, auch die möder vnd gesteder nitt verderbt oder abgegraben, oder dem gemainen man großen schaden dadurch zugefuogt werden.

Zum funften der dienst halb könden siech ains rats vnderthonen der mertail nitt sonder beschwern, dann inen dieselben dienst, ee sie ain rat erkauft hat, von andern herren aufgelegt worden. Darvmb bedurfen sie diesen artickel nitt setzen, als ob ain rat sie also beschwert hat. Nicht desto wieniger wa seine vnderthonen ettwaß zu hart anliegen hetten vnd ainem rat insonderhait anzaigten, vnd die bestandbrief auch gehört werden, wil er siech darauf gegen inen auch gutigkllich erzaigen.

Zum sechsten, die orschetz betreffend, wollend meine herren hinfuro kainen mer nemen, aber dargegen kainen hof nitt lenger, dann ain jar verleichen. Also wann ainer sein gult nitt geben oder den hof nitt bewlich halten wurd, das er dann denselben, wann es im gefellt, vber ain jar wider vrloben vnd ainem andern verleichen. Wöllicher aber den alten orschatz nitt geben, der mag sein hof auch jarlich empfachen von newem, wie der jetzgemelt artickel vermag. Der frefel halber in holtzern ist meiner herren will, das die buoß vnd straf in den banholtzer vnd der gemainden holtzer gleich gehalten, vnd die straf jedes stucks auf ain guldin gesetzt werd. Dazu will ain rat jeder zeit seinen vnderthonen zu irer notturft zimlich brenn-, zeun- vnd zimerholtz geben vnd verschaffen. Dann der andern frefel halber achten meine herren, das es billich bey jetz aufgesetzten fräfelen, die zum tail auf irer vnderthonen selbs begern vnd anrufen also gemacht sein, vnd vmb mer friden willen dabey beleib vnd enderung vermiten werd.

Weiter, wa die gemainden an holtz, moder, äcker oder anderen beschwert waren, so mugen die vnderthonen dasselb aim rat insonderhait auch anzaigen, so wiert ain rat ettlich ratzfreund auf den augenschein verordnen vnd vorhin erfarung haben, wa ainer gemaind ettwaß entzogen, ob ir nitt ettwaß anders dargegen an die statt gegeben worden sey, vnd nachdem ain rat das findt, siech, weß er schuldig zu thon ist, halten.

Auf den neunten artikel kan ain rat nitt wißen, das er sein vnderthonen, wa sie die gult bezalt, das ir zu verkaufen gesperrt hab, wa oder wie es aber beschehen wer, mugen lawter verständig anzaigen, wiert siech ain rat der pillichait darinn halten. So auch der hagel schlieg, so will ain rat nach besichtigung des schadens ain cristenlich nachlaßen an der gult zu thun verschaffen.

Zum zechenden, wölliche gieter vermainen beschwert sein, die will ain rat zu besichtigen verordnen vnd, nachdem er findt, ain zimlich einsechen thon.

In dem allem behelt im ain rat sein oberkait befor mit dem anhang, ob er siech darinn ettwaß, das wider das wort gottes oder die billichait, wer oder es sonst zu thon nitt macht hett, nachgelaßen, so will er ime das zu myndern, mern oder gantz anzuthon vorbehalten haben, inmaßen vnd wie sein vnderthonen in iro artickel auch begert haben.