Eingabe der Memminger Bauern
Das Stadtarchiv Memmingen besitzt neben der Serie der Ratsprotokolle einen Schriftwechsel zwischen den Bauern in den Dörfern des Heilig-Geist-Spitals einerseits und dem Rat der Reichsstadt andererseits über die Forderungen, die im Februar 1525 an die reichsstädtische Obrigkeit gelangten. Die Eingabe der Memminger Bauern wird von der Forschung auf den 24. Februar 1525 datiert.
Original und Editionen
- Handschrift im Stadtarchiv Memmingen, Bestand A Reichsstadt A 341/6 (siehe Abbildung rechts)
- Buchstabengetreue Übertragung (auf der Basis der Edition bei Franz Ludwig Baumann, Akten zur deutschen Geschichte des Bauernkriegs aus Oberschwaben, Freiburg/Breisgau 1877, S. 119-120
- Editon in: Günther Franz (Hg.): Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit. Freiherr- vom Stein-Gedächtnisausgabe 2), Darmstadt 1963
Übertragung
Gnad, gunst vnd frid von got, dem vatter, vnd dem herren Jhesu Cristo etc. Firsichtig, ersam vnd weiß, ginstig, lieb herren! Nachdem euwer ersam weißhait die tag verschinen zu vnd als euwern vnderthonen etlich ratsgesanten geschickt vnd vns ermanen laßen, das wir stil sitzen vnd nit mit jemand bey disen löffen vns verbinden, noch versprechen, auch vns darbey firgehalten, wa wir etwas mangels oder gebrechen haben, mügen wir söllichs ainem ersamen rat anzaigen vnd firhalten etc. Auf söllich euwer cristenlich firhalten haben wir vns zusamen verfiegt gen Memingen vnd vns all ainhelliglichen da entschloßen, wie hernachfolgt, vnd ist das vnser mainung:
Nachdem ain ersamer rat gut wißen tregt, wie das hailig euangelium nun me bey zway jaren ongefarlich bey euch vnd an andern orten verkindt vnd offenbar ist, allain auß gnaden gottes, wölchem sey lob vnd er, weil nun sich erfinden wil vil böser mißbreüch, so dem wort gottes gantz entgegen vnd zuwider seind, auch dem gemainen armen man vast beschwerlich vnd unleidenlich, demnach ist vnser diemietig bit vnd beger an e[wer] e[rsamer] w[eißhait], ir wöllen vns nach außweisung vnd inhalt des götlichen worts halten vnd bey demselben bleiben laßen. Was vns dann dasselbig götlich wort nimpt vnd gibt, wöl wir alzeit gern annemen vnd bey demselben bleiben. Wa nun ain ersamer rat auch bey söllichem bleiben wil, wöl wir alsdann, ain jetlichs dorf in sünderheit, sein beschwernuß vnd anligen anzaigen vnd firhalten etc. Erbieten vns auch hiemit aller vndertenigkait, so vil götlich, cristenlich vnd billig ist, ainem ersamen rat, gantzer gemaind mit leib vnd gut zu dienen vnd gehorsamen etc.
Hernach sind bestimpt die Dörfer: item Woringen, Dickerlishusen, Hitzahofen, Hart, Buchshain, Stainhain, Berg, Vngerhusen, Holtzgüntz, Lowach, Frickenhusen, Ardlaßried, Danckelsried, Betzanhusen, Dasperg, Erckhain, Gotenow, Bruna, Amadingen mit irem krichtzwang, Wespach, Boß, Vnderreichow, Blöß, Buchsach, Folckazhofen, Bremer, Westerhart.