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Stadt Memmingen:Bundesordnung der Christlichen Vereinigung (Druck)

Bundesordnung der Christlichen Vereinigung

Das Stadtarchiv Memmingen besitzt seit einigen Jahrzehnten zwei Ausgaben der Zwölf Artikel 1525 (Straßburg: W. Köpfel 1525 und Augsburg: M. Ramminger 1525, vgl. Helmut Claus: Der deutsche Bauernkrieg im Druckschaffen der Jahre 1524-1525, Gotha 1975, Nr. 13 und 4). Im November 2024 konnten mit finanzieller Unterstützung des Rotary-Clubs Memmingen eine Bundesordnung der oberschwäbischen Bauernschaft  (Regensburg: Paul Kohl) sowie der anonymen Flugschrift an die Versammlung der Bauern (Nürnberg: Hierynomus Höltzel) erworben werden. Links zu Ausgaben in verschiedenen Staats- und Landesbibliotheken finden Sie in unserer Online-Publikation "Memmingen und das Aufbegehren von Bauern und Bürgern 1525".

Bundesordnung (der in Memmingen versammelten oberschwäbischen Bauern, verabschiedet am 7. März 1525)

Die nachfolgende buchstabengetreue Übertragung der Bundesordnung ist dem oben genannten Heft der "Materialien zur Memminger Stadtgeschichte" (Reihe A Heft 2; erschienen Memmingen 1999) entnommen. Dieses enthält auch eine buchstabengetreue Übertragung der anonymen Flugschrift "An die versamlung gemayner pawerschafft", die Peter Blickle zur Jahrhundertwende noch dem Memminger Prediger Christoph Schappeler zuordnete, sich von dieser Zuweisung später aber wieder entfernte (siehe Abbildung der Titelseite rechts).

Weitere Übertragungen dieser Flugschriften und weiterer Quellen finden sich unter anderen im Sammelband von Günther Franz (Hg) "Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges", in Peter Blickles Standardwerk "Die Revolution von 1525" (auch in der englischsprachigen Ausgabe, Übersetzung der Zwölf Artikel von Thomas A. Brady 1981) sowie im Sammelband von Janos Bak (Hg.) "The German Peasant War of 1525" (Übersetzung der Zwölf Artikel ins Englische von Henry J. Cohn, 1976).

Bundesordnung (Übertragung)

[Titel auf Umschlag] Handlung, artickel vnnd instruction, so fürgenomen worden sein vonn allen rottenn vnnd hauffen der pauren, so sich zesamen verpflicht haben: M: D: XXV:

Handlung vnnd artickel, so fürgenommen worden seynd auff afftermontag nach Inuocauit von allen rodten der hauffen, so sich zusammen verpflychtt habenn etc.

Dem allmechtigen got zu(o) ainem ewigen lob vnd eere, zu anru(e)ffung des hailigen ewangelion vnnd go(e)tlichem wort, auch zu(o) beystand der gerechtigkait vnd go(e)tlichem rechten ist der christenlichen veraynigung vnnd pündtnus angefangen vnd nyemandt, er sey gaistlich oder weltlich, zu(o)uertrucken vnd, souil das hailig ewangelium vnd das go(e)tlich recht außweyßt, jnnhelt vnnd antzaigt, zu(o) nachtayl vnd in sonderhait zu(o) merung bru(e)derlicher liebe.

1 Erstlich erbeüt sich ain ersame lanndschafft diser christelichen veraynigung, was man gaystlicher vnd weltlicher oberkaitt vonn go(e)tlichem rechten zu(o) thu(o)n schuldig, denselbenn in kainen weg widerwerttig, sunder gehorsamlich gehalten.

2 Es ist ainer ersame landschafft wyll vnnd mainung, das ain gemainter landfryd gehalten werd vnd nyemandt dem andern wider thon. Ob sich aber begeben wurde, dz yemandts mit dem andern zu(o) krieg vnnd zu(o) auffru(o)wr bewegt, so soll sich nyemants rotten noch partheyen in kaynen weg, vnnd soll die nechst person, in was stands die sey, macht haben, fryd zu(o) byetten. Der soll von stund an bey dem ersten frydru(o)ffen oder bietten gehalten werden. Vnnd wo(e)licher sollichs frydbyetten nit haltten wurde, der soll nach seiner verschuldung gestrafft werdenn.

3 Was bekandtlicher schuld ist oder darumb brieff vnd sigel oder glaubwirdigen kundtschafft, so verfallen sein, sollen betzalt werden. Ob aber yemantts weytter eynred wurd zu(o) haben vermaindt, soll im das recht vorbehalten sein, doch yederman auff sein costen vnd gemainer landschafft diser christenlicher verainigung gehalten werd vnergriffen:

4 Wa schlo(e)sser wurden sein diser lanndardt gelegen vnnd nitt in diser christenlicher veraynigung verbündtnus sein, sollen dieselben jnnhaber der schlo(e)sser fraynndtlicher mainung ersucht werden, das sie in schlo(e)ssern nitt weytter den mit prefand zu(o) zimlicher notturff versehen vnd dieselben schlo(e)sser weder mit geschütz noch personen, die nit in dise verainigung gethon, besetzen. Ob sye aber jre schlo(e)sser weyter, dann bißher beschehen, besetzen wolten, das sollen sie thu(o)n mit leütten, so diser verainung verbunden vnd zu(o)geho(e)rig seind auff jrenn costen. Dasgleichen dye closter.

5 Wa dienstleütt wern, die fürsten vnd hern dienent, die sollen jren ayd auffgeben, vnd ob sie das thon, sollen in sie die verhandlung angenommen werden. Wo(e)llicher es aber nit thon wurd, der soll weib vnd kind zu(o) im nemen vnd ain landschafft vnbetriebt lassen. Wa aber ain herr ainen amptman oder ain andern, so in diser verpündnus ist, vertriben, so soll derselb nit allain, sundern zwen oder dreü zu(o) im nemen vnd verho(e)ren, was mit im gehandelt werd.

6 Wa pfarrer oder vicari seind, sollenn fraindlich ersucht werden vnnd geben, das hailig ewangelium verkünden vnnd predigen. Vnnd wo(e)lche das thon wo(e)llen, dem soll dieselbig pfarr zimliche vnderhaltt gebenn. Wo(e)lche aber solichs nit thon wo(e)llen, die sollen geurlaupt werden vnd die pfar mit ainem andern, so sollichs thon wil, versehen werden.

7 Ob sich yemandts mit seiner oberkaytt in vertrag einlassen wolt, so soll vnser wyssen vnd verwilligenn gemainer lanndtschafft dyser verainnung nit beschliessen, vnd ob nit verwilligung bemelter landschafft beschlossen wurde, nichtsdesminder sollen dieselbigen in ewiger verpündtnus bey christelicher verainnung bleiben.

8 Es sollen von yedem hauffen diser verainnung ain oberesten vnd vier ra(e)dt geordnet werden. Die sollen gewalt haben mit sampt andern obersten vnd ra(e)dten zu handlen, wie sich gepürt, damit die gemayn nit allweg zu(o)sammen mu(e)ssenn.

9 Es sollen kaine raubige gu(e)ter, so dysen mitverwandten entwerdt weren, vnderhalten noch passiert werden.

10 Wo(e)lliche handwercksleüt ir arbait nach auß dem land ziehen wo(e)llen, der sol seiner pfarr haupttman anloben, sich wider dise christenliche verainnung nit bestellen lassen, sunder wa er hortte vnnd vernumme, das diser landschafft widerwertigkait zu(o)ston wolt, solcher diser verainung zu(o) wissen thon vnd, so es von no(e)tten wurde, von stund an seinem vatterland zutzyehenn vnnd verhelffenn ra(e)dttenn. Des gleychenn auch die kriegßleütt.

11 Es sollen auch gericht vnd rechtt, wie vor beschehen ist, fürgang haben. Vntzimliche spil, gotslesterung vnd zu(o)trincken ist verpotten. Wer das nit helt, soll nach seiner verschuld gestrafft werden.

12 Es soll sich niemant enpern noch aynerlay vrsach fürnemen gegen seiner herrschafft vnd oberkait, das man sie mit gewalt wo(e)l angreiffen vnd jnen das ir nemmen, biß weytter beschayd kumpt. Das verbietten wir bey leib vnd gu(o)t, weder mit holtz, wasser noch kainerlay sachen, wie es geschehen mo(e)cht.