Zehn Artikel der Memminger Bauern
Schon seit Jahrzehnten sind die Zehn Artikel, entstanden und zusammengestellt zwischen dem 24. Februar und dem 1. März 1525, leider nurmehr als Abschrift aus dem späten 19. Jahrhundert erhalten (Baumann: Akten zur Geschichte des Bauernkriegs).
Original und Editionen
- Handschrift (seit Ende des 19. Jahrhunderts verschollen)
- Buchstabengetreue Übertragung (auf der Basis der Edition von Franz Ludwig Baumann: Akten zur Geschichte des deutschen Bauernkriegs aus Oberschwaben, Freiburg/Breisgau 1877, S. 120-126
- Günther Franz (Hg.): Quellen zur Geschichte des Bauernkrieges (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte der Neuzeit. Freiherr- vom Stein-Gedächtnisausgabe 2), Darmstadt 1963
Übertragung
Hiernach sind bestimbt die articel, so die erbern vnderthon der bawrelewt vnd hindersäß der stat Memingen, hie nachst freytag verschinen vor rat gewesen, furhalten etc. [Februar 24 bis März 3]
Der allmechtig, ewig, gutig got verleiche vns sein göttliche gnad vnd gonst, das wir zu rechter, warhaftiger erkanntnuß seins gotlichen willens komen mugen, auch vns im zeit der guden [sic] also gegen ainander halten, das wir zulest die kron der seligkaite erlangen. Amen.
Fursichtig, ersam vnd weyß, gonstig, lieb herren! Nachdem ain ersamer rat gut wißen tregt, wie wir nachst freytag an des hailigen zwolfboten sant Mathias tag vor e.e.w. erschinen sind vnd da begert nach laut vnd inhalt des gotlichen worts ainen entschaid etlicher articel halben, so vns beduncken, demselben gotlichen wort nit gmeß sein etc., demnach hat vns ain ersamer rat ain freuntlichen, tugentsamen vnd cristenlichen beschaid geben auf die mainung: Wir mugen vnser artickel vnd beschwertnuß darthan, alsdann so welle ain ersamer rat nach laut des gotlichen worts ain gnedig einsehen darinn haben. Also hab wir hie etlich articel vergriffen, wie hernachuolgt.
Furs erst ist vnser diemutigist, hochst bit vnd beger, das wir nun hinfuro selb ainen pfarrer erkiesen vnd erwollen, der vns das gotlich, allmechtig, lebendig wort vnd haillig ewangelion, welhes ist ain speiß vnserer sell, rain, lauter vnd clar nach rechtem verstand verkind vnd predige on allem menschenzusatz, ler vnd gebot. Denselben pfarrer wol wir auch mit zymlicher aufenthaltung seiner leibsnarung versechen. Wa sich aber ain sollicher pfarrer vngebürlich wurde halten, das wir alsdann im wider vrlaub geben mugen vnd ainen andern ain sein stat wollen, das alweg mit wißen ainer gantzen gemaind, dann wir ye vnuerkinden des gotlichen worts nit selig werden mugen, wie der hailig Pawlus vns anzeigt etc.
Zum andern, nachdem vnd wir bisher trungenlich gehalten worden seyen, den zehenden zu geben, haben wir darfur, wir wollen hinfur dhain zehenden mer zu geben schuldig sein, dieweil vnß das hailig new testament nit darzu verbindt. Auch wollen wir dem pfarrer mit leiblicher notturft versehen.
Furs drit so ist bisher im brauch gehalten worden, das wir fur ewer aigen, arm leut gehalten worden seyen, welches zu erbarmen ist, angesehen, daß vnß Christus all mit seinem tewren blut erloset vnd erkauft hat, den hirten gleich sowol, als den kayser. Das wir aber darumb dhain oberkait haben wollen, ist vnser mainung nit, sonder wir wollen aller oberkait, von got geordnet, in allen zymlichen vnd gebürlichen sachen gern gehorsam sein, seien auch vnzweyfel, ir werden vns der aigenschaft als cristenlich herren gern entlaßen etc.
Am vierten ist vnsher im brauch gewesen, das ain armer mann nit macht gehabt hat, das gewild zu fachen oder schießen desselben gleichen mit den fischen in fließend waßern ist vns auch nit zugelaßen worden, welches vns gantz vnbillich bedunckt vnd dem wort gotes nit gemeß sein, wann als got, der her, den menschen erschaffen, hat er mit gewalt geben über den fische im waßer, dem fogel im luft vnd vber alle tier auf erden etc. Hie ist vnser begern nit, wa ainer ain waßer hete, so erkauft were, vnd das vnwißen, da müeste man ain cristenlich einsehen haben vnd wegen briederlicher liebe etc.
Zum funften ist vnser diemuetig bit vnd beger, nachdem vnd wir vnsher lang hoch beschwert worden seyen der dienst halbn, welhe von tag zu tag sich gemert vnd zugenommen haben, begeren, das ain gnedig einsehen hierynn gebraucht werde, wie die eltern gedienet haben, allein nach laut des wort gotes etc.
Zum sechsten begern wir, das wir hinfuro nit mer mit erschatz also beschwert werden, sonder wie ainem ain gut geliehen werd vmb ain zymlichen gult, das er alsdann mitsambt seinen nachkomen sollich gut weyter vnbeschwert brauchen mugen etc.
Zum sibenden synd etliche dorfer beschwert des großen fraffels halben, begern, das man sy bleyben laße bey altem herkomen etc.
Zum achtenden ist vnser diemutig bit vnd beger, nachdem vnd etliche dorfer ain zeit her beschwert worden sind an holtz, acker, modern vnd ander gerechtigkaiten, so ainer gemaind vor zeyten zugehorig gewesen, das vns dieselbe wider einhendig gemacht werden etc.
Zum neunten ist vnser vleißig bit, wann wir ainen lehenherren sein gult richten, das wir als dann mit vnserer hab mugen vnsern frumen schaffen vnd dieselben verkawfen, wa es vns nutz vnd gelegen ist, vnuerhindert des lehensherren etc. Wa sach ware, das got, der allmechtig, vber vns erhengte, das ain mißgewechs keme, oder der hagel schliege, das als dann der lechenher ain nachlaß der gult die nach gestalt der sach etc.
Zum zehenden ist vnser vnderthanigist bit vnd beger, nachdem vnd vnser etlicher gieter so hoch beschwert sind, das wir aim tail nit wol dabey bleyben mugen, begern auf diemutigist, das ain ringerung hierinn gebraucht vnd furgenomen werde etc.
Zum besluß ist vnser entliche mainung vnd wil, wa wir ainen oder mer articel alhie gestelt hetten, so dem wort gottes nit gmeß weren, als wir dann nit vermainen, die selben articel solten vns nicht gelten. Dergleichen, wa vns schon articel zugelaßen werden, vnd sich nachmals durch das wort gots clar befunde vnrecht sein, wolten wir das gar nit haben. Herwider, wa wir ain oder mer articel nachmals befunden, so dem wort gottes entgegen vnd zuwider weren, ist vnser beger, die selbigen alzeit ainem ersamen rat furzuhalten vnd anzuzaigen, dann diese handlung ist gleich so wol fur euch, vnsere gunstigen lechenheren, als fur vns, dan ie Cristus sagt: "Wer nun ains von disen klainsten gebotten auflöset vnd leret die leüt also, also der wirt der clainest im himelreich etc." Wir seien aber vngezweyfelter hofnung zu euch als vnsern cristenlichen obern, e.e.w. werde vns mer vnd cristenlicher hierin bedencken, dann wir furhalten vnd erzelen mugen. Hiemit wol wir vns euch in gnaden befohlen haben, erbieten vns aller vndertenigkait gegen e.e.w. zu erzaigen etc.